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Das Kolleg

Spätestens seit den Arbeiten von Edward Said, Talal Asad und anderen wissen wir um den Konstruktionscharakter des westlichen Blicks auf den "Orient" vom Nahen Osten bis Japan. Umgekehrt war und ist auch das "christliche Abendland" häufig ein Kampfbegriff neuerdings kommt - analog zum "Orientalismus" - ein "Occidentalismus" hinzu. Die geopolitischen Folgen dieser Konfrontation stehen unmittelbar vor Augen und kulminieren in Samuel Huntingtons These vom "clash of civilizations". Allerdings waren und sind Europa und Asien weder homogene Größen, noch entwickelten und bilden sie sich weiterhin ohne wechselseitige Beeinflussung fort. Was sich heute unter dem Stichwort Globalisierung an weltumspannenden Bezügen zeigt, hat bereits in der formativen Phase der großen kulturellen und religiösen Traditionsgeflechte seinen Ausgang genommen.

Jenseits klischeehafter Stereotypisierung und ideologischer Verzweckung richtet sich das Interesse des Bochumer Käte Hamburger Kollegs auf die Entstehung und Entwicklung der religiösen Traditionsgeflechte Eurasiens in der und durch die Begegnung und Konfrontation miteinander. Die Verschränkung von Selbst- und Fremdwahrnehmung, von Adaption und Abgrenzung, die in den Kulturwissenschaften selbstverständlich geworden ist, wird als wichtigste Konstituente auch der religionsgeschichtlichen Dynamiken vorausgesetzt. Die Ausgangsthese des Kollegs besteht darin, dass sich die großen religiösen Traditionen im wechselseitigen Kontakt miteinander konstituieren, etablieren und weiterentwickeln.

Die fünf Charakteristika des Kollegs:

  • Religion als Querschnittsthema
  • Geschichte & Gegenwart
  • Philologien & Sozialwissenschaften
  • Bestimmung und Erprobung von tertia comparationis
  • Entwicklung einer Theorie des Religionstransfers

Die beteiligten Disziplinen (Religionswissenschaft, Klassische Philologie, Evangelische und Katholische Theologie, Islamwissenschaft, Japanologie, Koreanistik, Sinologie, Indologie, Judaistik, Geschichtswissenschaft und Philosophie) sind über vier Forschungsfelder integriert, in denen Untersuchungen zu Dynamiken der Religionsgeschichte durchgeführt werden. Das wissenschaftliche Ziel besteht darin, auf der Basis einer Typologie der Religionskontakte zwischen Adaption und Abgrenzung eine Theorie des Religionstransfers zu erarbeiten, die auch für die allgemeine Kulturtransfertheorie von Bedeutung ist. Dabei wird eine verständigungsorientierte Hermeneutik sowohl zugrunde gelegt als auch anhand der begriffsoffenen Methodik weiterentwickelt, die zu einem gesellschaftlichen Diskurs über die wechselseitige Anerkennung beiträgt.



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